Die Geschichte des Schloss Hernsteins
Hernstein und seine Besitzer
Die Herrschaft Hernstein lässt sich bis ins frühe 12. Jahrhundert zurückverfolgen. Zunächst im Besitz der Familie von Falkenstein, kam sie später durch politische Wirren und Verkäufe an das Bistum Freising, danach an Herzog Albrecht III. Die Burg verfiel über die Jahrhunderte mehr und mehr. Erst Erzherzog Rainer erwarb sie 1830, sein Sohn Leopold Ludwig adaptierte das Anwesen zu einem Jagdschloss und beauftragte den Architekten Theophil Hansen mit einem umfassenden Umbau.
Theophil Hansen und der Umbau
Hansen, ein bedeutender Vertreter des Historismus, prägte die Wiener Ringstraße und übertrug seine gestalterische Handschrift auch auf Hernstein. Nach einem ersten, verworfenen Entwurf des Wiener Baumeisters Schebeck, der vor allem funktionale Änderungen vorsah, entschied man sich für Hansens sensiblen Umgang mit dem Bestand. Er schlug vor, die Struktur weitgehend zu erhalten und nur vorsichtig zu akzentuieren.
Besonders kennzeichnend sind Hansens Fassadengestaltung im romantischen Historismus mit Terracotta- und Steinreliefs, gotisch inspirierten Fensterelementen und dekorativen Ziegelmustern. Die Bauzeit zog sich über drei Jahrzehnte hin.
Die Schlossanlage und der Park
Hansen legte zunächst Nebengebäude wie Stallungen und Remisen an, gestaltete eine malerische Gärtnerwohnung und führte den Cottagestil konsequent weiter. Im Park entstand eigens ein künstlicher Teich mit Bootshaus und Insel, damit sich das Schloss stimmungsvoll spiegeln konnte. Auch feine Holzarbeiten, etwa an Dachrändern und Sparren, betonen Hansens Stil.
Erdgeschoss
Zentrum war der Gartensalon, flankiert von Arbeitszimmer und Bibliothek, illusionistisch bemalt mit heroischen Landschaften und ausgestattet mit Springbrunnen, Sofas und Kandelabern. Ein Korridor zeigte die berühmte Geweihsammlung des Erzherzogs.
Erster Stock
Hier lagen die Appartements des Erzherzogs, darunter das Jagdzimmer, das mit einer Brücke direkt in den Park verbunden war. Im Credenzzimmer und Speisesaal mischten sich Renaissance- und gotische Elemente, kunstvolle Stühle und ein Tafelservice nach Hansens Entwürfen ergänzten die Einrichtung. Kostbar war ein großer Jagdaufsatz aus Goldbronze.
Der Rauchsalon mit pompejanischem Rot und antiken Tischen, der prachtvolle Empfangssaal mit Deckenmalereien von Griepenkerl sowie der Ahnensaal, reich ausgestattet mit Gemälden und Portraits der Habsburger, schlossen sich an. Eine kleine Spindeltreppe verband die Stockwerke zusätzlich zur Haupttreppe.
Schlafzimmer und Kapelle
Das Schlafzimmer erhielt allegorische Deckenmalereien zu Nacht, Schlaf und Traum. Ein kunstvolles Bronzebett, Baldachin und Madonnenkopie vervollständigten es. Den Rundgang beschloss die Kapelle, mit Gewölbemalereien von Carl Rahl. Die Möbel, Kerzenleuchter und ein Kreuz stammten aus Hansens Werkstatt.
Hansens Oeuvre und Bedeutung
Die sorgfältige Gestaltung jedes Details machte Hernstein zu einem Musterbuch für Hansens künstlerische Ideen. Entwürfe und Skizzen für Möbel und Interieurs, teils erhalten im Wiener Kupferstichkabinett, belegen seinen Einfallsreichtum. Hansen galt als Verfechter eines „echten Kunstsinns“, der selbst das Träumen verschönern sollte.
